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FOTO ARSENAL WIEN hat eröffnet

Felix Hoffmann (rechts), Artistic Director FOTO ARSENAL WIEN, führte am Tag der Eröffnung Journalisten und Journalistinnen durch die Ausstellungen. (c) Klaus Lorbeer

Felix Hoffmann, Artistic Director FOTO ARSENAL WIEN, führte am Tag der Eröffnung Journalisten und Journalistinnen durch die Ausstellungen. (c) Klaus Lorbeer

Das FOTO ARSENAL WIEN (FOTOobjektiv berichtete bereits hier) befindet sich auf dem Gelände des Wiener Arsenal (daher der Name) im dritten Wiener Gemeindebezirk. Noch ist die Ausschilderung optimierter und Google wie auch Apple Maps führen zwar ins Arsenal, aber nicht zum Fotomuseum. Dieses befindet sich gegenüber dem Heeresgeschichtlichen Museum, das wieder sehr leicht zu finden ist.

Mit bis zu zehn Ausstellungen pro Jahr zeigt das FOTO ARSENAL WIEN die ganze Bandbreite des Mediums – eine Kombination aus jungen Talenten, unentdeckten Positionen und international renommierten Künstlern und Künstlerinnen. Gemäß diesem Motto beginnt man mit der Gruppenausstellung „Magnum. A World of Photography“ einerseits und dem jungen oberösterreichischen Fotografen Simon Lehner andererseits.

„Magnum. A World of Photography“ (22.3. bis 1.6.2025)

Das FOTO ARSENAL WIEN zeigt geheime Einblicke in das Rohmaterial bekannter Magnum-Fotografen – vom Auswahlprozess bis zum gedruckten Bild. Hier zu sehen ist ein Blick hinter die Kulissen des berühmten Fotos von Che Guevara, das der Schweizer Fotograf René Burri gemacht hat. (c) Klaus Lorbeer

Die Gruppenausstellung „Magnum. A World of Photography“ stellt die Arbeitsprozesse der berühmten Fotoagentur in den Mittelpunkt und thematisiert die gesellschaftliche Bedeutung der Fotografie als breite Kulturtechnik. Erstmals werden dabei Teile des Magnum Archivs zugänglich gemacht. In der Vergangenheit waren solche Einblicke in das Rohmaterial und in die Entstehung eines „fertigen“ Fotos unvorstellbar – die Auswahl der Aufnahmen, die Arbeit mit Kontaktbögen und die Fertigung der Abzüge blieben weitgehend von der Öffentlichkeit verborgen.

In der Ausstellung werden diese bisher unsichtbaren Abläufe erstmals nachgezeichnet. Die Besucher und Besucherinnen können so die Entstehung eines Fotos hautnah erleben und den Magnum-Fotografen und Fotografinnen bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen – von Robert Capa über Inge Morath bis hin zu Eli Reed.

In chronologischer Reihenfolge zeigt die Ausstellung über 300 Fotografien und Objekte aus sieben Jahrzehnten Agentur- und Weltgeschichte. Darunter befinden sich Reportagen aus dem Zweiten Weltkrieg, Ikonen wie Che Guevara, Muhammad Ali und Malcom X, Trauernde an den Bahngleisen nach dem Tod von Robert F. Kennedy, das Leben in der New Yorker U-Bahn oder Porträts des britischen Königshauses. 

Das letzte Kapitel der Ausstellung zeigt, dass auch zeitgenössische Fotopraktiken nach wie vor eng mit dem analogen Filmmaterial, den Strategien der Narration und traditioneller Reportagefotografie verbunden sind. Drei Fotografen der jüngeren und jüngsten Magnum-Generationen – Susan Meiselas, Bieke Depoorter und Rafał Milach – setzen sich mit historischen Ansätzen auseinander und denken sie aus aktueller gesellschaftspolitischer Perspektive weiter. 

Simon Lehner: „Clean Thoughts. Clean Images“ (22.3. bis 1.6.2025) 

Mit „Clean Thoughts. Clean Images“ zeigt FOTO ARSENAL WIEN die erste umfassende institutionelle Einzelausstellung Simon Lehner(Jahrgang 1996) in Österreich.

Auf Grundlage eines rund 45.000 Bilddateien umfassenden Archivs aus der Kindheit und Jugend des Künstlers setzt sich Lehner in seinen Malereien, Installationen und Videoarbeiten mit Machtstrukturen, toxischer Männlichkeit und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und menschliche Psyche auseinander.

Simon Lehner geht mit den Bildern weit über die Grenzen reiner Fotografie. Auf dem Fundament seines Archivs benutzt er die fotografisch-technischen Parameter der Bildentstehung als Grundlage und spielt sowohl mit analogen als auch digitalen Spuren: Negativränder, Markierungen oder Moiré-Effekte, das heißt Rasterfehler beim Scanprozess und Bilddruck, bleiben sichtbar. In einem weiteren Arbeitsschritt werden die Bilder in Holzplatten gefräst. Diese übertragenen Landschaften wachsen mit Hilfe eines 3D-Druckers dreidimensional in den Raum oder überschreiten gar den Rand ihres Rahmens. Mit Hilfe eines Roboters löst sich der Maluntergrund komplett von der Zweidimensionalität der Fotografie: Sie werden in einem Malprozess physisch auf diese Reliefstruktur übertragen, wobei sich Maschine und Künstler während des Herstellungsprozesses abwechseln. Der Roboter sowie der dafür verwendete PC it einer alten Windows-Version verliert dabei aufgrund des begrenzten Speichers immer wieder Information – für Lehner eine Analogie zum menschlichen Gedächtnis.

Mit seinen Bildern geht Simon Lehner über die reine Fotografie hinaus. (c) Klaus Lorbeer

FOTO ARSENAL WIEN
Arsenal, Objekt 19, 1030 Wien
www.fotoarsenalwien.at